Spätestens als die Spieluhr die Halbzeitpause ankündigte, stand fest: Es sollte ein perfekter Abend für die Wasserballer des SC Rote Erde Hamm im TuS 59 werden. Mit 11:2 führten sie zu diesem Zeitpunkt bereits gegen den Düsseldorfer SC II, immerhin der hartnäckigste Verfolger im Verlauf der Oberligasaison. Am Ende fuhren die Hammer einen ungefährdeten 20:12-Sieg (6:1, 5:2, 5:4, 4:5) gegen die Rheinländer ein und bereiteten damit die Bühne für die anschließend geplante Feier des Meistertitels und des Aufstiegs in die Wasserballliga West.
Zuvor musste Meistertrainer Kristian Berg jedoch noch ein im Wasserballsport etabliertes Ritual über sich ergehen lassen. Das Team warf seinen Coach ins Becken des Freibades Süd in Berge, in dem die Hammer ihr letztes Saisonspiel austrugen. Immerhin: Berg war vorbereitet. Er hatte sich schon zuvor eine Badehose unter den Trainingsanzug gezogen. Das alles unter dem Jubel von mehr als 400 Zuschauern. Obwohl Meistertitel und Aufstieg schon vor der Partie feststanden, lockte diese so viele Zuschauer wie schon lange nicht mehr zu einem Wasserballspiel des SC Rote Erde.
Der Plan der im TuS 1859 beheimateten Abteilung ging auf. Der Verein will in Zukunft wieder regelmäßig Wasserballspiele im Freibad austragen, wie es zu den großen Erfolgszeiten des SC Rote Erde in den 1950er bis 1970er Jahren üblich war. Anlässlich ihres 800. Geburtstages hatte die Stadt Hamm den Wasserballern eine Outdoor-Uhrenanlage spendiert, die mit ihrem Konzept eine Jury überzeugt und Fördermittel von rund 2000 Euro eingeworben hatten. Das Spiel am Freitag war die Premiere und fand nicht zufällig parallel zum 50. Geburtstag des Freibades Süd statt. Der TuS 1859 und die Stadtwerke hatten sich früh auf einen gemeinsamen Termin verständigt.
„Besser hätte dieser Abend gar nicht laufen können. Es sind ganz viele Menschen extra für unser Spiel gekommen. Dazu kamen noch eine ganze Reihe von Badegästen, die sich spontan entschieden haben, die Partie anzuschauen. Das war wirklich eine tolle Werbung für unseren Sport”, freute sich Christian Müller, Leiter der Wasserballabteilung sowie Hauptsportwart im TuS 1859.
Dass die große Kulisse den SC Rote Erde verunsichern würde, war nur kurz zu befürchten. Zwar gingen die Düsseldorfer in der 1. Minute mit 1:0 in Führung. Danach überrollten die Hammer ihren Gegner aber regelrecht. Die Tore für Rote Erde fielen fast im Minutentakt. Von Düsseldorf kam zeitweise wenig Gegenwehr. „Das waren sicher mit die besten Viertel, die wir in dieser Saison gespielt haben“, lobte Coach Berg die Leistung seines Teams in der ersten Hälfte.
Gut möglich, dass seine Spieler danach im Kopf schon ein wenig in den Feiermodus schalteten. In der zweiten Hälfte dominierte der SC Rote Erde nicht mehr das Geschehen. Es wurde ein Spiel auf Augenhöhe. Zum Vorwurf wollte Trainer Berg das seiner Mannschaft jedoch nicht machen. „Wenn man so hoch führt und im Grunde nichts mehr anbrennen kann, kann das mal passieren“, zeigte der Coach Verständnis für den Leistungsabfall. Der war spätestens vergessen, als die Hammer Wasserballer nach der Partie gegen Düsseldorf von Abteilungsleiter Müller Pokal und Medaillen für den Oberligatitel entgegennahmen. Weil eine offizielle Ehrung durch den Verband nicht vorgesehen war, hatte der SC Rote Erde diese kurzerhand selbst für sein Aufstiegsteam besorgt. Es sollte schließlich ein perfekter Abend im Hammer Südbad werden. Und für Müller steht schon jetzt fest: „Das wird sicher nicht das letzte Freibadspiel gewesen sein, das wir hier spielen.“
Fotos: Konstantin Berg
















