Heimspiele des SC Rote Erde Hamm waren früher ein gesellschaftliches Großereignis. Zwischen 1954 und 1975 holte der Verein elf deutsche Meisterschaftstitel im Wasserball. Zu den im Hammer Jahnfreibad ausgetragenen Endrunden kamen teilweise mehr als 17.000 Zuschauer. An diese Freibadtradition will der „SC Rote Erde“, seit 2015 eine Abteilung des TuS 1859, anknüpfen. Am Freitag (10. Juli, 19 Uhr) richten die Hammer Wasserballer ihr letztes Saisonspiel in der Oberliga gegen den Düsseldorfer SC II unter freiem Himmel aus.
Im Jahnbad geht das nicht mehr. Das später mit einer Traglufthalle überdachte Schwimmbad ist längst abgerissen. Einen Großteil des früheren Geländes nutzt mittlerweile die Reha Bad Hamm. Spielort wird stattdessen das Freibad Süd in Berge sein. Dort gibt es am 10. Juli gleich mehrfach Grund zum Feiern: Die Rote Erde-Wasserballer haben sich den Aufstieg in die Wasserballiga-West so wie den Oberligatitel gesichert. Außerdem wird das Freibad Süd in diesem Jahr 50 Jahre alt und richtet am Freitag eine Geburtstagsparty aus.
Nicht zufällig findet das letzte Heimspiel des SC Rote Erde an diesem Tag statt. Mit den Stadtwerken haben sich die Wasserballer auf einen gemeinsamen Termin verständigt. Das Event ist auch Teil der Feierlichkeiten zum 800. Geburtstag der Stadt Hamm. Das bewusste Anknüpfen an die Historie der Wasserballspiele unter freiem Himmel schlägt die Brücke zur Stadtgeschichte.
Der TuS 1859 hat sich in diesem Rahmen mit der Wasserballabteilung, die weiter unter dem Traditionsnamen “Rote Erde” antritt, erfolgreich für eine Förderung in Höhe von rund 2000 Euro beworben. Mit dem Geld hat der Verein eine mobile Spieluhrenanlage angeschafft, die auch draußen eingesetzt werden kann. Die Idee: Die Hammer Wasserballer wollen nicht nur am 10. Juli, sondern dauerhaft im Freibad Süd Präsenz zeigen.
Zuletzt richteten sie dort 2012 offizielle Herrenspiele aus, als sie – damals in einer Startgemeinschaft mit dem SV Brambauer verbunden – vor Heimpublikum in die 1. Bundesliga aufstiegen. 2025 richtete der SC Rote Erde zudem die Vorrunde des Deutschen Pokalwettbewerbs der Altersklasse U-12 aus. Für beide Veranstaltungen mussten sich die Hammer allerdings Spieluhren von befreundeten Vereinen ausleihen. Das ist jetzt nicht mehr nötig.
„Wir sind wahnsinnig froh, dass wir den Wasserball zurück ins Freibad holen können, so wie es früher selbstverständlich war“, sagt Christian Müller, Chef der Wasserballabteilung und Hauptsportwart des TuS 1859. „Das Maximare bleibt ganz klar unsere Heimat. Dort fühlen wir uns absolut wohl. Wir haben gute Trainingsbedingungen und werden in der Halle auch in Zukunft 90 Prozent unserer Heimspiele ausrichten“, betont er. Allerdings hätten Spiele im Freibad „im Sommer ein ganz besonderes Flair. Wir haben auch die Hoffnung, auf diesem Wege neue Fans zu gewinnen“, erklärt Müller.
Für das letzte Saisonspiel gegen Düsseldorf haben die Rote Erde-Wasserballer bereits fleißig die Werbetrommel gerührt. Nach dem Spiel wollen sie mit Fans, Unterstützern und Sponsoren bei Bratwurst und kühlen Getränken den Aufstieg feiern. Im Rahmen des Freibadgeburtstages soll es zuvor auch ein Showspiel der Jugend geben.
Und schon am Sonntag (12. Juli) geht es weiter mit Wasserball im Freibad Süd. Der SC Rote Erde richtet dort das Finalturnier des Bezirkspokals des Schwimmverbandes Südwestfalen aus, für das sich sowohl die zweite als auch die dritte Mannschaft der Hammer Wasserballer qualifiziert haben. Sie werden sich mit dem SV Lünen sowie der SGW Iserlohn II messen. Zudem findet an diesem Tag auch ein Bezirksturnier der Altersklasse U-12 statt. Eine erste Generalprobe am Montag (6. Juli) verlief erfolgreich. Beim letzten Ligaspiel der dritten Mannschaft testete die Wasserballabteilung die Technik unter Wettkampfbedingungen.
Mit mehreren Tausend Zuschauern wie in den Freibadspielen in den 1950er bis 1970er Jahren rechnen sie beim SC Rote Erde Hamm im TuS 59 natürlich erst einmal nicht. „Aber wir sind sehr optimistisch, dass wir unserem packenden Sport mehr Sichtbarkeit verschaffen können. Für das letzte Saisonspiel am 10. Juli haben wir schon viele positive Rückmeldungen bekommen“, berichtet Abteilungsleiter Christian Müller. Freibad-Wasserball soll in Hamm keine einmalige Sache bleiben.

Generalprobe für das Freibadspiel der Oberligamannschaft, Spiel von Rote Erde III gegen SV Lünen II im Südbad



Endrunde der Deutschen Meisterschaften 1965 im Jahnbad in Hamm







